Räuberbarone
Jens Schröder
Eisenbahnen, Öl, Stahl: Nach dem Ende des Bürgerkriegs kommt es in den USA zu einem Wirtschaftswunder und zum Aufstieg rücksichtsloser Industrieller, die sich Imperien und Monopole zusammenraffen - auf Kosten ihrer Arbeiter und ihrer Konkurrenten.
Homestead, Pennsylvania, Juni 1892: Die Geschäftsführung des Carnegie-Walzblechwerks am Monongahela River rüstet sich für einen Krieg - einen Krieg gegen die eigenen Arbeiter. Ein vier Meter hoher Bretterzaun wird um das Werksgelände gezogen und oben mit Stacheldraht und einem Starkstromkabel gesichert. Schießscharten in Kopfhöhe sollen die Verteidigung erleichtern, spezielle Hydranten im Ernstfall heißes Wasser auf eine angreifende Meute spritzen. Fotoapparate werden auf dem Fabrikgelände installiert, um während der erwarteten Schlacht die Anführer der Angreifer zu identifizieren. Auf einer zwölf Meter hohen Brücke zwischen dem umzäunten Verwaltungsgebäude und den Werkshallen ist Tag und Nacht eine Wache stationiert.
Der Stahltycoon Andrew Carnegie will die Löhne der 3800 Arbeiter seines Betriebes um durchschnittlich 18 Prozent kürzen - und erwartet Widerstand. Schließlich ist der Carnegie-Konzern kerngesund: 4,3 Millionen Dollar Gewinn hat der Sohn eines armen schottischen Damastwebers im Vorjahr einstreichen können.