Francis Ford Coppola: The Godfather

 

Das Hochzeitsfest im Garten der Villa ist in vollem Gange. Hunderte von Gästen - die Männer im Smoking, die Frauen in bunten Kleidern - singen und tanzen zu den Klängen italienischer Volkslieder. Szenenwechsel: Ein abgedunkelter Raum der Villa, durch die geschlossenen Jalousien fällt fast kein Licht. Don Vito Corleone (Marlon Brando in seiner eindrucksvollsten Rolle) sitzt hinter einem schweren Eichenschreibtisch und empfängt Bittsteller. Während draußen im Sonnenschein gefeiert wird, entscheidet Don Vito Corleone in der Dunkelheit seines Arbeitszimmers über Leben und Tod. Ein genialer Auftakt für "Der Pate". Draußen, für jeden sichtbar, bewahrt man die Fassade der angesehenen Familie, in Hinterzimmern regiert das Verbrechen. Fast drei Stunden erleben wir die Geschichte des Clans: Liebe und Brutalität liegen dicht beieinander, die Familie hat Vorrang vor allem, Mord ist reines Geschäft, und dieses läuft nach strengen Regeln der Ehre ab. Fantastische Schauspieler, eine bis ins Detail perfekte Ausstattung, opulente Musik und geniale Schnitte - ein Film wie ein Rausch. Auch als Zuschauer wird man immer weiter in die edle Scheinwelt des organisierten Verbrechens hineingezogen. Bis zum grandiosen Finale, bei dem Michael (Al Pacino) die Stelle seines Vaters übernimmt. Die wichtigsten Männer der Unterwelt küssen seinen Ring - natürlich hinter halb verschlossenen Türen.

 

Peter W. Engelmeier: 100 Jahre Kino. Die großen Filme; Augustus Verlag, Augsburg, 1994, Seite 470 f.